3 Tage Frei zeigt: Erikas Töchter

Residenzprojekt von Lina Determann & Jette Schwabe

Erika Mustermann ist die offizielle Musteridentität Deutschlands. Seit 1987 blickt sie uns von Ausweisen und Formularen entgegen: weiß, blond, blau- oder grünäugig, neutral lächelnd. Ein staatlich konstruiertes Gesicht, das bis heute nahezu unverändert durch die Bürokra3elandschaK geistert – normierend, klassifizierend, ausschließend.

Mit ihrem Residenzprojekt „Erikas Töchter“ nehmen Lina Determann und Jette Schwabe diese Figur zum Ausgangspunkt einer performativen Recherche. Sie treten in den Dialog mit Erika Mustermann und damit auch mit den gesellschaftlichen Vorstellungen von weiblichem* Durchschnitt, Repräsentation und Identität. Wer wurde hier zur Norm erklärt? Nach welchen Kriterien? Und warum verweigert die Bundesdruckerei bis heute jede Auskunft über das Auswahlverfahren?

Wer ist also Erika Mustermann?

In der RESIDENZ wird Erika Mustermann verhandelbar: als Frau*, als Frage, als Gegenwart. In öffentlichen Castings im Stadtraum soll Erika gemeinsam mit lokalen Akteur*innen, neu besetzt und als kollektives Werkzeug transformiert werden.

Was passiert, wenn ihre Musteridentität von Körpern getragen wird, die sie sonst übersieht? Wie klingt ihre Stimme, wenn wir ihr eine geben? Was passiert, wenn plötzlich alle Erika Mustermann heißen? Und wie sieht ein Individuum aus, das (alles) in sich vereinen soll?

Hinter Erikas Töchter stehen Lina Determann und Jette Schwabe, ein interdisziplinäres Künstlerinnen-Duo an der Schnittstelle von Performance, Film und Installation. In ihrer gemeinsamen Arbeit widmen sie sich feministischen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen und bauen durch das bewusste Verhandeln von dokumentarischer Genauigkeit und performativer Verfremdung Welten, die zwischen Realität und Fiktion liegen.

Ihre Projekte entstehen häufig in engem Austausch mit lokalen Communities und erproben kollektive Formen von Autor*innenschaft. Nach dem Abschluss ihres Diplomstudiums in Szenografie und Ausstellungsdesign an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe verlagern sie ihren Fokus bewusst in die Freie Szene – auf der Suche nach offenen Produk3onsformen, neuen Allianzen und künstlerischen Möglichkeitsräumen.

Foto: Jette Schwabe